Technische Prävention von Low-Cost-Terrorismus

Projektzeitraum: 9/2010-8/2013

Nach den Terroranschlägen vom Elften September hat sich die Risikoperspektive deutlich erweitert. Die Sicherheitsforschung steht vor der Herausforderung, auch bislang nicht für möglich gehaltene Bedrohungsszenarien in Betracht zu ziehen. Liegen vielen derzeit entwickelten Sicherheitslösungen Anschlagsszenarien zugrunde, die von äußerst voraussetzungsvollen Angriffsmitteln und -methoden ausgehen, müssen stärker Terrorakte, ausgehend von kleineren Tätergruppen eingeplant werden, die nur geringe Ressourcen (an Geld, Sachverstand, Organisationsgrad, Zeit etc.) einsetzen.

Ziel unseres Forschungsvorhabens ist es, Szenarien eines Low-Cost-Terrorismus und entsprechende Empfehlungen für situative, technische Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.
Das Forschungsvorhaben gliedert sich in drei Phasen:

a) Um erste Kenntnisse zu den für die Planung und Durchführung terroristischer Angriffe relevanten Kosten- und Nutzenparametern zu erlangen, wird im Verbund mit internationalen Terrorismusexperten eine Bestandsaufnahme westeuropäischer Low-Cost-Attentate und -versuche vorgenommen.
b) Im zweiten Schritt sollen im Rahmen eines Planspiels Organisations-, Planungs- und Entscheidungs-
findungsprozesse terrormotivierter Gruppen rekonstruiert werden.
c) Im dritten Schritt werden die entwickelten Szenarien zusammen mit Sicherheitsexperten unter präventions-
bezogenen Gesichtspunkten ausgewertet, um praktische Maßnahmen und Sicherheitslösungen weiterzuentwickeln.

Konzentriert sich die Terrorismusforschung bisher auf sozialpräventive Maßnahmen zur Prävention von Radikalisierungsprozessen, die sich an einer „Grand Strategy“ (Crenshaw) zur Terrorismusbekämpfung orientieren, existieren insbesondere im deutschsprachigen Raum kaum Konzepte für eine situative, technische Terrorprävention, die an Gelegenheitsstrukturen für die Planung und Durchführung terroristischer Attacken und den dem Täterhandeln zugrunde liegenden Kosten- und Nutzenkalkulationen ansetzten.
Die Terrorismusforschung hinkt hier der Sicherheitstechnologieforschung weit hinterher. Letztere ist aber gerade auf Erkenntnisse über die Vorgehensweise von Tätergruppen, Mitteleinsatz und mögliche Angriffsziele angewiesen, um überhaupt geeignete technische Präventionsmaßnahmen entwickeln und für eine zielgenaue Beeinflussung der terroristischen Tatgelegenheitsstrukturen einsetzen zu können. Das Forschungsvorhaben soll die Datenbasis zur Schließung dieser Lücke erweitern. Dabei stützt es sich auf erste Ansätze für eine situative Terrorismusprävention, wie sie in der angloamerikanischen Kriminologie entwickelt wurden. Terroristen werden hierbei als rational Handelnde verstanden, deren Entscheidung für Anschlagsziele und -methoden von subjektiv veranschlagten Kosten- und Nutzenerwägungen im Kontext situativer Gegebenheiten bestimmt wird.

 

Drittmittel: Bundesministerium für Bildung und Forschung

Projektleitung: Michael Fischer

Bearbeitung: Michael Fischer, Robert Pelzer, Martin Carrillo Aravena, Dr. Sybille Reinke de Buitrago

Studentische Mitarbeit: Maruschka Güldner, Sandra Blaufelder, Yvonne Morick, Eva-Maria Reh, Christine Uebele

Wissenschaftliche Expertisen und Beratung: Prof. Dr. Lorenz Böllinger, Prof. Dr. Dr. Fritz Sack, Prof. Dr. Sebastian Scheerer, Prof. Dr. Daniela Klimke


Internationale Kooperanden
:

Bahcesehir Universität, Strategic Research Center, Türkei
Centre de Recherches Sociologiques sur le Droit et les Institutions Pénales, Centre National de la Recherche Scientifique, Frankreich
Chatham House, International Security Programme, Großbritannien
Università Cattolica del Sacro Cuore & Transcrime, Italien
Universität Barcelona & Judicial System and Human Rights Observatory, Spanien
Universität Leiden, Centre of Counterterrorism Studies, Niederlande

 

 

 

 

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